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Analyse
Inhalt
- Die Positionen
- Analyse
- Bewertung
Die Positionen
Die Argumente werden zitiert nach Spiegel online (Stiftung Warentest unter Beschuss, 9. Januar 2006) und FAZ online (Fußball, Stiftung Warentest stellt Studie zu WM-Stadien früher vor) sowie der Berliner Morgenpost (Sicherheitsmängel in WM-Stadien, 7. Januar 2006)
Was geschah
Fünf Monate vor Beginn der Fußball-WM in Deutschland hat die Stiftung Warentest bei einer Untersuchung der zwölf Stadien „teilweise beträchtliche” Sicherheitsmängel festgestellt.
Proposition
- verheerende Folgen
Die Stiftung teilte am Freitag, 6. Januar 2006 mit, die Sicherheitsmängel könnten im Falle einer Panik „verheerende Folgen” haben.
Opposition
- Zu schnell
"Die haben sich angemeldet, waren dann einen Nachmittag hier und haben sich gewisse neuralgische Stellen angeschaut. Es ist aber sehr schwierig, sich an einem Nachmittag ein genaues Bild zu machen und Einblick in die Unterlagen zu nehmen. Das geht normalerweise nicht in ein paar Stunden. Ich bin deshalb wie alle meine Kollegen der anderen Stadien äußerst skeptisch, was diese Geschichte angeht"
- Bauvorschriften sind erfüllt
Geschäftsführer Patrik Meyer vom Stadion Frankfurt Management (SFM) berichtete, dass bei der Stadionbegehung mit der Stiftung im Oktober ein Panikforscher beteiligt gewesen sei. "Dem haben wir gesagt, dass das Stadion nach den Bauschriften gebaut wurde. Er meinte aber, dass ihn die Bauvorschriften nicht interessierten", berichtete Meyer dem Spiegel
- behördliche Genehmigungsprozesse
wir sind von der Sicherheit überzeugt, weil alle Bauten strengsten behördlichen Genehmigungsprozessen unterliegen", sagte OK-Vizepräsident Wolfgang Niersbach.
- Seit vielen Jahren keine Unfälle
dies gelte „zumindest für alle Stadien der ersten und zweiten Bundesliga, wo ja Woche für Woche gespielt wird. Und zwar seit vielen Jahren ohne schlimme Unfälle“
- Die Bestimmungen in Deutschland
Und auf einmal wird so getan, als wäre kein Brandschutz vorhanden. Das kann ich mir bei den Bestimmungen in Deutschland nicht vorstellen", wetterte Radmann.
- nur Mieter der Stadien
Das OK sei zudem nur Mieter der Stadien und müsse darauf vertrauen, was von behördlicher Seite genehmigt ist, meinte OK Pressesprecher Jens Grittner weiter.
Analyse
Das Problem besteht
In den vergangenen Monaten waren bereits Mängel in drei Arenen publik geworden und hatten die WM-Organisatoren in Erklärungsnöte gebracht. Besondere Schwierigkeiten bereitete die Dachkonstruktion der Frankfurter Commerzbank-Arena. Beim Finale des Confederations-Cups im Juni 2005 und vor dem Bundesliga-Spiel gegen Schalke 04 im Oktober setzten schwere Regenfälle die Spielfläche unter Wasser.
In Kaiserslautern mußte das Fritz-Walter-Stadion für die Bundesliga-Partie gegen Eintracht Frankfurt wegen Rissen in der Dachkonstruktion gesperrt und mit Stützpfeilern abgesichert werden. In Nürnberg rieselte Putz vom Oberrang des Frankenstadions. Die Statikprobleme wurden – nach einem extra organisierten „Hüpftest” mit mehrere Hundert Fans – behoben.
Die Argumente im Einzelnen
- Zu schnell
| Behauptung: |
Die Studie ist nicht gut, weil nicht gewissenhaft |
| Argumentationsprinzip |
Definitionsschema |
Gut Ding will Weile haben. Die Stadionuntersuchung ging schnell, war also nicht gründlich, per Definiton.
- Bauvorschriften sind erfüllt
| Behauptung: |
Die Stadien sind sicher, weil nach Bauvorschriften gebaut wurde |
| Argumentationsprinzip |
Definitionsschema, normative Authorität |
Wie kann sich ein einzelner Experte dazu aufschwingen zu sagen, ein Stadion sei unsicher, wenn die top-Experten, die die Bauvorschriften erlassen, sagen, die Sicherheit sei gegeben?
An dieser Stelle soll nur kurz angemerkt werden, dass es natürlich klüger wäre zu sagen »Die Stadien entsprechen den Bauvorschriften« als »Die Stadien wurden den Bauvorschriften entsprechend gebaut«
- behördliche Genehmigungsprozesse
| Behauptung: |
Die Stadien sind sicher, weil sie genehmigt wurden |
| Argumentationsprinzip |
Definitionsschema: normative Authorität |
wir sind von der Sicherheit überzeugt, weil alle Bauten strengsten behördlichen Genehmigungsprozessen unterliegen", sagte OK-Vizepräsident Wolfgang Niersbach.
- Seit vielen Jahren keine Unfälle
| Behauptung: |
Die Stadien sind sicher, weil es seit vielen Jahren keine schweren Unfälle gab |
| Argumentationsprinzip |
Induktive Beispielargumentation |
Offensichtlich hat es seit vielen Jahren keine schweren Unfälle in Fußballstadien gegeben. Das OK nimmt das als Hinweis darauf, dass es auch in Zukunft keine geben wird.
- Die Bestimmungen in Deutschland
| Behauptung: |
Die Stadien sind sicher, weil die Bestimmungen in Deutschland so gut sind |
| Argumentationsprinzip |
Definitionsschema: normative Authorität |
„auf einmal wird so getan, als wäre kein Brandschutz vorhanden. Das kann ich mir bei den Bestimmungen in Deutschland nicht vorstellen", wetterte Radmann.
Wir denken da sofort an den Düsseldorfer Flughafen, wo es am 11. April 1996 zu einem Brandunglück kommt, bei dem 17 Menschen sterben und zahlreiche weitere verletzt werden. Hauptsächlich durch Salzsäure aus abgebrannten PVC-Isolierungen und wegen einer defekten Rauchklappe.
- nur Mieter der Stadien
| Behauptung: |
Die Sicherheit ist nicht unser Problem, weil wir nur Mieter sind |
| Argumentationsprinzip |
Definitionsschema: normative Authorität |
Sachlich falsch.
Bewertung
Von sechs Argumenten arbeiten vier Argumente nach dem Authoritätsprinzip. Eines dieser vier Authoritätsargumente ist sachlich falsch, die anderen fragwürdig. Die Art und Weise, wie die Argumente vorgebracht werden zeigt, dass es hier in erster Linie um verletzte Egos geht: Mitglieder des WM-Organisationskomitees „reagierten erbost“ (Spiegel), "Mir reicht's jetzt mit diesem Heer der Besserwisser und Wichtigtuer, die sich über die WM profilieren wollen. Die Stiftung Warentest kennt sich vielleicht mit Gesichtscreme, Olivenöl und Staubsaugern aus. Dabei sollten sie bleiben", sagte Franz Beckenbauer, Präsident des WM-Organisationskomitees.
Sollte diese Hypothese treffen, erwarten wir eine Ausredenorientierte Argumentation und keine analytische.
Problematik von Authoritätsargumenten
Die hier vorliegenden Authoritätsargumente berufen sich allesamt auf Gesetzte als Authorität. Natürlich kann das Wahlgesetz festlegen Wahlurnen seien viereckig, dennoch sind sie achteckig. Anders ausgedrückt: Die Überzeugungswirkung von Gesetzen für die Beurteilung tatsächlicher Fragen des „Sollens” ist generell eher gering. Höher ist die Affirmationswirkung von Gesetzen als Authorität, wenn es die eigene Meinung bestätigt, wird ein Gesetz natürlich nur all zu gern als Bestätigung der eigenen Ansicht akzeptiert.
Wirkung dieser Argumentation
Das Arbeiten mit Authoritäsargumenten und einem Definitionsschema führt dazu, dass das Organisationskomitee fast niemanden von seinem Standpunkt überzeugen kann. Vermutlich verliert es sogar ein paar der engagiertesten Fußballfans.
Die Argumentationsstrategie ist von vornherein lediglich dazu geeignet Menschen Material zu liefern, die nicht überzeugt werden wollen, sondern die Bestätigung suchen. Dabei kommt es nicht so sehr auf die Qualität an, sondern nur auf Kristallisationskeime an denen selbstgestrickte Rechtfertigungen wachsen können. Dies kann die Argumentation des OK leisten.
Alternative
Das OK ist als Organisation mit extrem kurzer Lebenserwartung (kurz nach der WM ist wohl Schluss) natürlich nicht darauf angewiesen sich ein tragfähiges Profil zuzulegen. Hätte das OK dies gewollt, wäre mit Sicherheit eine einsichtige Strategie sinnvoller gewesen. Dann wäre es wohl auch nicht zu den immerhin über 700 bisher erschienenen Berichten in Rundfunk und Presse bgekommen.
In diesem Sinne
Ihr Timm Reinisch