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Eine runde Sache!

Powerpoint mit Stil

Fragen Sie sich des öfteren, wie man es eigentlich hinbekommt, eine schöne, also ästhetisch anspruchsvolle, PowerPoint-Präsentation zu erstellen? Es gibt böse Stimmen, die behaupten PowerPoint habe eigebaute Filter, die dies gezielt verhindern, was garnicht so abwegig ist, betrachtet man nur mal die standardmäßig eingebauten Stilvorlagen. Wenigstens macht man mit den eingebauten Vorlagen dem Publikum eine Freude, denn Wiedersehen macht ja bekanntlich Freude, und so kommt den Betrachtern wenigstens schonmal etwas an Ihrer Präsentation bekannt vor, wenn auch nur die fahrige Optik.

Bei Microsoft selbst, scheint man sich auch nicht so sicher über die richtige Antwort zu sein, betrachten sie nur die Tips unter 10 Tips für die perfekte PowerPoint Präsentation (engl.).

Lassen Sie uns doch einfach mal einen kurzen Blick darauf werfen, wie der Chef persönlich das Problem angehen lässt. Wie lässt Bill Gates seine Präsentationen gestalten?

Bill Gates präsentiert Chaos

Ohh!

Nun gut, die Farben sind durchaus stimmig gehalten und das sogar gekonnt! Kräftige leuchtende Farben und jede Menge davon! Natürlich fragt man sich unwillkürlich, wie der Bühnenbildner wohl diesen Schatten um die Rückprojektionsleinwand hinbekommen hat, da wird doch wohl niemand mit einem Scheinwerfer auf die Leinwand zielen? Nachdem sich der begeisterte Betrachter dann der Frage zuwendet, was diese Folie eigentlich sagen will, wird es ihm dann wohl schnell etwas mulmig. Intressante Begriffswelten erschliessen sich da, in immerhin 20 Textpäckchen, von denen sich einige sehr kurz fassen, „Presence“ heißt es da, „Anwesenheit“ oder auch „Vereinheitlichte Kommunikation“.

Abhilfe, oder wenigstens Verständnis, schafft da vielleicht das wirklich empfehlenswerte kleine Büchlein „Why business people speak like Idiots“!

Auch Bill Gates, oder besser gesagt, derjenige, der für Ihn Präsentationen erstellt, hat natürlich schon gehört, dass Abbildungen komplizierte Dinge verständlich machen – sollten. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Nun, diese Präsentation sagt offensichtlich mehr als zweiundzwanzigtausend Worte, denn immerhin versammeln sich auf dieser Folie zweiundzwanzig lustige kleine Bildchen aus der Microsoft Clipart Bibliothek.

Es geht auch anders

Wir müssen Designregeln finden, die leicht zu verstehen und anzuwenden sind und sich dennoch positiv auf die ästhetische Gestalt einer Präsentation auswirken. Solche Regeln sind uns allen bekannt:

Wiedererkennen macht Freude

Einheitlichkeit in der Gestaltung schafft Vertrautheit und erleichtert die Orientierung. Designer arbeiten deswegen mit einheitlichen Farbwelten, einheitlicher geometrischer Anordnung und einheitlicher Typographie.

A wie Aufmerksamkeit

Logischerweise ist Aufmerksamkeit die Grundvoraussetzung für die weitergehende Verarbeitung einer Information. Nur eine Information auf die der Betrachter aufmerksam wird kann überhaupt ins Gedächtnis gelangen und verarbeitet werden, sieht man von möglichen unbewussten Vorgängen ab. Ein gekonntes Design steuert elegant die Aufmerksamkeit des Betrachters über die zu verarbeitenden Informationen.

Aufmerksamkeit kann erzeugt werden

durch Diskrepanzen, unerwartete oder auffällige Reize. Beispielsweise erzeugen Kontraste Aufmerksamkeit. Das können Farbkontraste sein, aber auch Kontraste anderer Art. Einen Baum versteckt man am besten im Wald, wenn sie einen Baum zeigen möchten, sollten Sie also keinen Wald zeigen, der Baum hätte einen geringen kognitiven Kontrast und daher wenig Aufmerksamkeitswert. Es sei denn, es handelt sich um einen dicken blauen Baum in einem mageren grünbraunen Wald, der fällt wohl auf, vermutlich aber eher unangenehm.

Aufmerksamkeit kann geleitet werden

durch einfache geometrische Figuren. Der Blick des Betrachters wird im Geiste Linien auf Ihrer Folie abschreiten, wird Fluchten folgen und um Kreise kreisen. Dabei müssen Sie solche einfachen Führungshilfen garnicht direkt zeichnen, es reicht völlig, wenn die Fluchten vor dem geistigen Augen entstehen.
Fluchten: Ein Dreieck entsteht, wo eigentlich keines ist.

Auch bei der Wahl von Proportionen gehts es letztendlich um nichts anderes, als im Geiste entstandenen Fluchten zu entsprechen oder zu widersprechen.

Der „Mensch“ von Leonardo da Vinci hat einige dieser natürlich entstandenen Fluchten als Hilfslinien eingezeichnet.

Solche Hilfslinien bezeichnet man auch als Designraster, Sie sollten natürlich niemals ein Designraster einzeichnen, aber schauen Sie Ihre Folien einfach scharf an und prüfen Sie ob ein Designraster vorhanden ist, wohin es die Aufmerksamkeit leitet, wo sie es durchbrochen haben und somit Aufmerksamkeit entsteht.

Soll die Aufmerksamkeit dort entstehen, wo Sie sie entstehen lassen? Durchbrechen Sie zu oft das Designraster und verhindern so, dass sich der Betrachter auf Ihren Folien „zuhause“ fühlt?

Der Mensch von Leonardo da Vinci: Designraster.

Es gibt in dem Bild von da Vinci übrigens auch eine Reihe nur zaghaft angedeuteter Fluchtlinien. Suchen Sie doch einmal, vielleicht entdecken Sie ja noch einige!

Das folgende Bild des chinesischen Zen-Meisters Tjingdju, der im 11. Jahrhundert lebte stammt aus der berühmten Ochsenbild-Serie und ist benannt: „Kein Hirte und kein Ochse“, eine durchaus zutreffende Bezeichnung.

Der regelmäßige Kreis fängt das Auge des Betrachters ein, und lenkt es in seine Mitte. Dort erblickt der Betrachter: Nichts. Genau das wollte Tjingdju auch darstellen, das Nichts, denn das Bild stammt aus einer Serie von zehn Bildern, die den Weg des Zen erläutern sollen.

Die Abbildung jedenfalls darf wohl als meisterlich gelten: Aufmerksamkeit wird gezielt erzeugt und gekonnt durch die simple geometrische Figur in die Mitte gelenkt.

Ochsenbild Nr. 8: Kein Hirte und kein Ochse, Zen-Meister Tjingdju (um 1050)

Beachten Sie auch, wie einfach die Beschriftung zu finden ist, und wie wenig sie dennoch das Auge des Betrachters gefangen nimmt.

Sind Sie überrascht, wenn wir Ihnen verraten, dass das Bild des Tjingdju selbstverständlich auch das Prinzip des Designrasters befolgt? Sie sehen, die hier dargestellten Prinzipien sind so alt und wurden von Asien bis Südeuropa befolgt, dass doch etwas dran sein muss, an diesen Regeln.

Hier also nochmals das Ochsenbild Nr. 8 aber nun mit eingezeichnetem Designraster.

Ochsenbild Nr. 8: Designraster als durchsichtige weiße Linien eingezeichnet

Designraster leiten Aufmerksamkeit

Wie findet man ein Designraster? Am Beispiel des Ochsenbildes: Ein Kreis hat zwei visuell wesentliche Eigenschaften: einen Mittelpunkt und einen Radius. Das Designraster wird also jedenfalls durch den Mittelpunkt gehen und durch die Kreisperipherie. Dieses Grobraster haben wir einfach weiter unterteilt. Wie sie sehen, orientieren sich die Schriftzeichen am unteren Rand präzise am Designraster, sie stehen zentriert auf dem Median, der durch den Mittelpunkt laufenden Linie, und sind exakt so breit wie ein halber Radius. Es gibt auch andere Teilungsverhältnisse in Designrastern, beispielsweise 1:1.61, den sogenannte Goldene Schnitt.

Der Nutzen von Designrastern ist, dass sie Ästhetik schaffen indem sie Erwartungen aufbauen und erfüllen, vorhersagbare klare Anordnungen erzeugen und so Orientierung und Übersicht vermitteln, aber gerade auch die Möglichkeit geben Erwartungen zu durchbrechen und so Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Nun werden die wenigsten von uns Vorträge über Nichts halten, aber wie Steve Jobs von Apple Computer demonstriert, lässt sich die Idee des Kontrastes zum erzeugen von Aufmerksamkeit (in diesem Falle Helligkeits- und Farbkontrast) und der einfachen Geometrie, oder des Designrasters zur Führung der Aufmerksamkeit nahezu mustergültig in auch in modernen Präsentationen anwenden:

Steve Jobs, World Wide Developer Conference 2006

Zusammenfassung

In diesem Artikel haben wir das Prinzip des Erzeugens und Steuerns von Aufmerksamkeit durch Kontrast und klare einfache Geometrie vom 10. Jahrundert bis ins 21. Jahrhundert und von China bis in die Vereinigten Staaten verfolgt. Sie haben gesehen, dass diese Prinzipien sich praktisch nicht verändert haben und anwendbar sind vom Nichts im Zen über die Proportionen von Menschen bis hin zu Computerpräsentationen über behindertengerechte Software (darum geht es in der Präsentation an dieser Stelle).

In diesem Sinne

Ihr Timm Reinisch

P.S.: Falls Sie bemerkt haben sollten, dass hinter A wie Aufmerksamkeit kein anderer Buchstabe aus dem Alphabet mehr folgte und falls Sie sich nun fragen, was das sollte möchten wir Ihnen noch schnell die Erklärung nachreichen: Das nennt man kognitive Diskrepanz, es passiert nicht, was passieren sollte. Eine weitere Methode um A wie Aufmerksamkeit zu erzeugen und die Aufmerksamkeit angemessen zu betonen.

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