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Feedback I

Hintergrund

Inhalt:

  1. Sinn und Zweck
  2. Einsichten
  3. So gehts

Sinn und Zweck

Mit Feedback, einem Begriff aus der Kybernetik, ist in diesem Zusammenhang ein kommunikativer Prozess gemeint, in dem der Feedbackgeber dem Feedbackempfänger eine Botschaft über seine Wahrnehmung eines bestimmten beobachtbaren Verhaltens übermittelt.

Feedback ist allgegenwärtig

Feedback geben wir immer, ob wir wollen oder nicht. Beim Zuhören beispielsweise zeigen wir durch bestimmte Verhaltensweisen dem Sprecher an, ob uns interessiert was er sagt, oder nicht. Langweilt uns die Erzählung, erkennt man das beispielsweise an der defokussierten Stellung der Augen oder daran, dass wir mit dem Ohrläppchen spielen. Ist der Bericht fesselnd ziehen wir an erstaunlichen Stellen die Augenbrauen hoch, wir zeigen Blickkontakt, wir nicken und auch verbal zeigen wir mit Koordinationspartikeln wie „Aha“, „Oh”, „mmh” Interesse an.

Paul Watzlawicks erstes „pragmatisches Axiom der Kommunikation” könnte man daher auch so formulieren:

(1)

Man kann nicht »kein Feedback« geben

Feedback hat einen Zweck

Ob die unwillkürlichen Signale mit denen wir Gesprächspartnern Rückmeldungen geben oder der reflexartige Aufschrei eines Passanten, dem wir auf den Fuß treten oder die bewussten Blicke der Fahrgäste, wenn ein junger Mann keinen Sitzplatz anbietet. Immer steckt hinter der Rückmeldung das Ziel eine bestimmte Änderung hervorzurufen.

(2)

Feedback dient dem Hervorrufen von Veränderungen

Einsichten

Beispiele aus der Praxis

Feedback spielt eine entscheidende Rolle bei Veränderungs- oder Lernprozessen.

Sowohl in Lernsituationen wie der Schule

  • Reaktion auf mündliche oder schriftliche Leistungen
  • Benotung von Leistungen
  • Art und Ausführlichkeit der Korrekturen
  • Lob und Tadel, Strafarbeiten, Strafdienste

als auch in Organisationen

  • Mitarbeitergespräche
  • Arbeitszeugnisse
  • Zuweisung von formaler Verantwortung
  • Entgegengebrachtes Vertrauen
  • Lob und Tadel
  • Lage und Ausrüstungsstand des Arbeitsplatzes

Diese Beispiele zeigen, wie wichtig es ist, Feedback effizient zu gestalten.

Lern-Prozesse

Als Prozess bezeichnen wir die Veränderung von einem Ist-Zustand in Richtung eines anderen Zustandes, normalerweise des Soll-Zustandes.

Lernt man beispielsweise bei Präsentationen sicher aufzutreten, so ist „weniger sicheres Auftreten” der Ist-Zustand und „sicheres Aufreten” der Soll-Zustand. Die Veränderung erfolgt bei Lernprozessen eigentlich immer gleich: Auf eine Operation folgt der Test, was die Operation bewirkt hat. War die Operation erfolgreich, wird sie wiederholt, war sie nicht erfolgreich sollte eine andere Operation gewählt werden.

Jetzt kommt das Feedback ins Spiel. Um festzustellen, ob ein Lernschritt erfolgreich war, sind wir darauf angewiesen in irgendeiner Form den erreichten Zustand mit einem Soll-Zustand zu vergleichen. Beim Erlernen von Präsentationstechniken könnte uns ein Publikum mitteilen, ob der neue Zustand besser funktioniert. Das wäre dann Feedback.

Lern-Akteure

Selbstverständlich ist der Sitz des Lernens das Gehirn, und zwar das Gehirn des Lernenden. Diese Erkenntnis ist so trivial, dass es umso erstaunlicher ist, wie selten sie beherzigt wird. Die Konsequenzen für Feedback sind unmittelbar und gravierend: Das Feedback, also die vom Feedbackgeber geäußerte Botschaft, muß vom Feebackempfänger als Testschritt im Sinne eines Lernprozesses verwertet werden, ansonsten verhallt das Feedback ungehört.

(3)

Das Feedback muß vom Feebackempfänger selbst im Sinne eines Lernprozesses verwertet werden

Guter Polizist, böser Polizist

Lassen Sie uns noch einen Augenblick bei den Lernprozessen verweilen. Prinzipiell gibt es zwei Ziele von Feedback: entweder man möchte erfolgreiches Verhalten verstärken, oder nicht erfolgreiches Verhalten abschwächen (oder beides).

Es gibt vier Vorgehensweisen, wie diese Ziele erreicht werden können: Man kann angenehme Stimuli anbieten (positive Verstärkung) oder weglassen (negative Verstärkung) und man kann negative Stimuli einsetzen (positive Abschwächung) oder weglassen (negative Abschwächung).

Die folgende Tabelle fasst das für Sie zusammen.

Stimulus anbieten entfernen
angenehm positive Verstärkung negative Abschwächung
unangenehm positive Abschwächung negative Verstärkung

Generell ist Verstärkung dem Abschwächen überlegen, denn schwächt man weniger effektives Verhalten ab, tritt es zwar seltener auf, aber wird nicht unbedingt durch effektives Verhalten ersetzt, sondern wahrscheinlich (eine Frage der Statistik) durch anderes wenig effektives Verhalten (Die Praxis zeigt, es gibt immer sehr viele Möglichkeiten sich auf andere Weise ineffektiv zu verhalten).

Wenn es also darum geht, erwünschtes Verhalten zu fördern gilt ganz klar:

(4)

Erwünschtes Verhalten erreicht man durch positive Verstärkung

Umgekehrt gilt, dass, wenn das Hauptziel das Unterdrücken von nicht wünschenswertem Verhalten ist, Abschwächen offensichtlich die einzige Option ist

(5)

Unerwünschtes Verhalten unterdrückt man durch positive Abschwächung.

Bleibt noch die Frage offen, warum positiv und nicht negativ. Das liegt daran, dass die positiven Varianten jeweils ein beobachtungsbezogenes Handeln nach sich ziehen. Während die negativen Varianten durch beobachtungsbezogenes Unterlassen umgesetzt werden. Unterlassen bedarf aber in der Realität vorhergehenden Handelns und damit langfristiger Planung. Diese langfristige Planung ist in der Praxis, wo das Feedback ad hoc, ereignisbezogen und relativ häufig angewandt wird – anders als im pädagogischen Experiment – schlicht nicht zu leisten. Hinzu kommt, dass das Unterlassen bestimmten Handelns oft weniger stark mit dem zugrunde liegenden Auslöser in Verbindung gebracht wird, sondern auch mit anderen in Frage kommenden Ursachen, dadurch wird die Effektivität des negativen Verstärkens und des negativen Abschwächens negativ beeinflusst.

So gehts

Wir haben Ihnen bis hierhin unsere Sichtweise auf den Feedback-Prozess präsentiert und in fünf pragmatisch begründeten Grundsätzen festgehalten:

(1)

Man kann nicht »kein Feedback« geben

(2)

Feedback dient dem Hervorrufen von Veränderungen

(3)

Das Feedback muß vom Feebackempfänger selbst im Sinne eines Lernprozesses verwertet werden

(4)

Erwünschtes Verhalten erreicht man durch positive Verstärkung

(5)

Unerwünschtes Verhalten unterdrückt man durch positive Abschwächung.

Lesen Sie in den folgenden Artikeln wie man diese Grundsätze in der Praxis umsetzen kann um erfolgreiches – weil wirksames – Feedback zu geben.

Bis dahin

Ihr Timm Reinisch

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