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Manchmal kann man gar nicht anders...

Hintergrund

...als laut aufzustöhnen. Man kann ja über ein Tempo-Limit auf Autobahnen denken, was man will, das folgende Argument gegen ein Tempo-Limit, aus einem Spiegel-Artikel, geht jedenfalls gar nicht.

ADAC-Präsident Meyer sagte, die Durchschnittsgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen liege heute schon "deutlich unter 120 km/h". Er betonte: "Für die Sicherheit und die Umwelt bringt ein Tempolimit also überhaupt nichts."

Dieses Argument kann man wieder sehr schön mit dem ups-Schema analysieren (Siehe Artikel: Bauchlandung rückwärts).

Wir wollen uns diesmal kurz fassen: Die unstrittige Behauptung (u) ist: „die Durchschnittsgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen liege heute schon "deutlich unter 120 km/h"”, das wird wohl so sein, wenn der ADAC das sagt.

Daraus folgert ADAC-Präsident Meyer dann: „Für die Sicherheit und die Umwelt bringt ein Tempolimit also überhaupt nichts”, das ist die Schlußfolgerung (s).

Jetzt können Sie sich ja mal ein Blatt Papier oder einen Zettel greifen und sich fragen: Welches allgemeine Prinzip muss gelten, damit aus dem Behaupten der Behauptung die Folgerung folgt?

Richtig: Das Prinzip lautet: (bitte fahren Sie mit gedrückter Maustaste über den Text um die Antwort zu sehen)

„Der Treibstoffverbrauch hängt ausschliesslich von der Durchschnittsgeschwindigkeit ab” (p)

Nun folgt der Angriff auf das Beweisprinzip und zwar wählen wir als Angriff die Instanz, das Gegenbeispiel:

Das Gegenbeispiel

Bitte beachten Sie: Ein Tempolimit legt eine Höchstgeschwindigkeit fest und nicht eine Durchschnittsgeschwindigkeit.

Wir lassen zwei Autofahrer mit identischen Fahrzeugen eine Strecke von 200km auf der Autobahn zurücklegen.

Karla Kontinuierlich

hat Glück und fährt die ganze Zeit etwa 100km/h. Sie braucht nicht zu bremsen und, ausser am Startort, nicht zu beschleunigen. Sie benötigt zwei Stunden für die Strecke und fährt – klar – 100km/h im Durchschnitt.

Heinz Heizer

hätte auch Glück gehabt, wenn er es gewollt hätte, aber Heinz ist von Natur aus etwas hektisch und liebt den Geschwindigkeitsrausch. Er brettert gleich mit 250 Sachen auf der Autobahn und ist schon nach 20 Minuten total erschöpft. Deswegen gönnt er sich an einer Raststätte ein kleines Päuschen und nickt auch prompt ein. So dauert die Pause stolze 60 Minuten. Kein Problem für Heinz, er fährt den Rest der Strecke, auch mit Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h und kommt nach weiteren 28 Minuten an. Macht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 100 km/h genau wie bei Karla Kontinuierlich.

Der Beweis

Nun sagen sie selbst: Wer hat weniger Sprit verbraucht? Karla Kontinuierlich oder Heinz Heizer? Klare Sache: Für den Tacho gilt: Hoch und runter macht den Tankwart munter. Ganz unabhängig von der Durchschnittsgeschwindigkeit. Dass ein Tempolimit Heinz Heizer den Garaus gemacht hätte, weil er nicht 250 km/h hätte fahren dürfen, und das Heinz Heizer deswegen auch – mit Tempolimit – weniger Sprit verbraucht ist natürlich auch dem ADAC-Präsidenten Meyer klar.

Konsequenz

Der Versuch zu überzeugen richtet sich an Menschen die die eigene Meinung nicht teilen. Die kann man durchaus auch mit schlechten Argumenten überzeugen, aber wohl kaum mit Unsinn.

Verbrauchen Sie Ihre Glaubwürdigkeit nicht mit Nonsens, sondern wählen Sie möglichst gewichtige, wenigstens vom Prinzip her denkbare, Argumente zur Untermauerung Ihrer Ansichten.

In diesem Sinne für Sprechkultur

Ihr Timm Reinisch

 
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