Tadeln ist leicht, deshalb tun es so viele. Mit Verstand loben ist schwer.
Anselm Feuerbach, 1775-1833
In diesem Artikel wollen wir einer etwas exotischen Frage auf den Grund gehen: Ist es schwierig zu loben? Wenn ja, warum? Wie lobt man richtig, und kann es bei etwas wie Lob eigentlich richtig und falsch geben?
Über Kritik wird in der Managementliteratur viel geschrieben, für Kritik gibt es in unserer Kultur eine Farbe: das Rot in Klassenarbeiten oder Klausuren.
Über Lob werden eher weniger Worte verloren und das Lob muss auch ohne spezielle Rituale und Farben auskommen.
Ist Lob denn so unwichtig? Das ist sicher eine Frage der eigenen Kultur, also der erlernten Verhaltensmuster. Fest steht jedoch: Eine der wesentlichen Aufgaben von Führungskräften ist es Mitarbeiter zu führen, man könnte auch sagen zu „erwünschtem Verhalten“ anzuleiten. Deswegen nennt man das Management auch den „dispositiven Faktor“
Nun ist ohne weiteres Nachdenken offensichtlich, dass es zwei Möglichkeiten gibt, Menschen zu „erwünschtem Verhalten“ anzuleiten. Sie können entwederSchlecht funktioniert diese Strategie, wenn das unerwünschte Verhalten viele andere ebenso schlechte und nahe liegende Alternativen in sich trägt. Dann wird lediglich – rein statistisch – das unerwünschte Verhalten durch ein anderes unerwünschtes Verhalten ersetzt, wohlgemerkt, auch ganz ohne bösen Willen, einfach weil das alternative Verhalten nahe liegt.
Dem kann nur vorgebeugt werden, in dem auch die alternativen Verhaltensweisen verboten werden, was unter Umständen zu einem Wust von Verboten und Vorschriften führen kann, der so unübersichtlich ist, dass er hemmend auf die Arbeitsleistung wirkt.
Kundenfreundlichkeit kann sich in den verschiedensten Verhaltensweisen äußern, auch Dauerlächeln, wenn unnatürlich, muss von Kunden nicht als freundlich empfunden werden, während viele Menschen eine herzliche Ernsthaftigkeit durchaus als angenehm und freundlich charakterisieren.
Die Beratungspraxis zeigt hier, dass es ein sehr wirksamer Weg sein kann, einfach das Verhalten des Mitarbeiters Kunden gegenüber wahrzunehmen und gute, also freundliche, Verhaltensweisen mit einem Lob zu versehen. Diese Methode wirkt doppelt: Zum einen wird Lob als angenehm empfunden, zum anderen kommunizieren Sie als Führungskraft, dass Sie wahrnehmen, was Ihre Mitarbeiter tun und Sie erhöhen die gefühlte Kompetenz.
Die Alternative zur Verstärkung durch Lob, der Fachmann nennt das positive Verstärkung, ist natürlich offensichtlich das Unterlassen von Bestrafung beim Auftreten von erwünschten Verhaltensweisen, der Fachmann nennt das negative Verstärkung (negativ, weil etwas unterlassen wird, nämlich das Bestrafen). Es ist kaum zu glauben, aber auch diese Strategie wird von Führungskräften verfolgt. Die Studienlage zeigt allerdings recht eindeutig, dass Mitarbeiter in diesem Fall mental auf Vermeidung von Bestrafung fokussiert sind, man nennt das engl. prevention focus. Dieser Vermeidungs-Fokus wirkt sich sehr nachteilig auf Kreativität, Problemlösungskompetenz und Eigenverantwortlichkeit aus. Wird also immer wenn für die erfolgreiche Verrichtung der Arbeiten neben Händen auch noch ein Kopf gefragt ist zu einer hohen Mehrbelastung der Führungskraft und insgesamt mäßigeren Arbeitsergebnissen führen.
Profane Lobhudelei funktioniert auch, aber anders, man kann Sie vielleicht am ehesten mit Parfüm als Geburtstagsgeschenk vergleichen, der Form ist genüge getan, es kommt auch zu Freudenbekundungen, aber das war es auch schon.
Klaus Kantig ist klar, dass nur, wenn Friedhelm Freundlich seinen Job richtig gut erledigt, er selbst den Rücken frei hat für die schwierigen Kontakte, bei denen er als Entscheider gefragt ist. Wenn Friedhelm Freundlich hingegen schwierige Telefonate aufschiebt, Kunden schnell wieder loswerden will und so wichtige Informationen fehlen, durch diesen Stress notwendige Anrufe gar ganz unterbleiben oder sogar patzige Briefe in der Presse landen, dann wird Klaus Kantig seinen Mitarbeiter verstärkt überwachen und kontrollieren müssen, Arbeit muss mehrfach erledigt werden und weder Klaus, noch Friedhelm, noch die Kunden werden zufrieden sein.
Klaus Kantig entschließt sich also, obwohl alles gut läuft, dem Thema etwas Aufmerksamkeit zu widmen. Und lobt Friedhelm Freundlich nach einem schwierigen Telefonat:
„Friedhelm, ich finde es unheimlich wichtig, das schwierige Telefonate nicht aufgeschoben werden, weil sie sonst immer schwieriger werden oder vielleicht sogar ganz verdrängt werden oder in Vergessenheit geraten. Ich möchte Dir einfach mal sagen, dass mir immer wieder auffällt, dass Du die schwierigen Fälle, wie jetzt gerade das Telefonat mit Frau Dröge, sofort angehst und nicht aufschiebst, ich finde das nicht selbstverständlich, wirklich gut!“
Dieses Lob ist SMART:
Lob ist also die Stelle, an der Menschen von Menschen geführt werden, während fast alle anderen Führungsinstrumente technologisiert und formalisiert werden können. Wie es das Schicksal so will, ist jedes gute, also ehrliche, situativ angemessene, inhaltlich zutreffende Lob auch ein Lob, dass Sie sich selbst für Ihre Beobachtungsgabe und Ihr Interesse an Ihren Mitarbeitern aussprechen.
In diesem Sinne: Toll, dass Sie bis zum Ende gelesen haben! Herzlichst Ihr Timm ReinischLoben aber richtig. Ein Parforceritt durch die psychologischen Aspekte einer wichtigen...