lebhaft diskutieren
  • Unternehmensprofil
    • Agile Kommunikation
    • Agile Didaktik
  • Köpfe
  • Kompetenzen
 

Persönlich kommunizieren – Glaubwürdig kommunizieren

Inhalt

  1. Einleitung
  2. Problem
  3. Die Lösung: Persönlich kommunizieren

Einleitung

Subjekt, Prädikat, Objekt so funktionieren deutsche Sätze. Wer macht was und mit wem. Wer etwas macht, ändert viel daran, wie wir die Handlung bewerten. Ein Polizist darf einen Strafzettel ausstellen, ein Schüler nicht. Einem Freund vertrauen wir, einem Fremden nicht unbedingt. Deswegen lautet die erste Frage die wir uns stellen, wenn wir hören "Er hat...": "Wer hat...?".

Problem

"Ich" sagen bedeutet Verantwortung zu übernehmen, jemandem zu erlauben "wir" zu sagen, bedeutet ein Stück Verantwortung abzugeben. Beides scheint nicht jedem zu liegen. Wer "Sie" sagt und damit den anderen direkt anspricht übernimmt damit eine – wenn auch sehr geringe – soziale Verantwortung, denn er spricht nicht mehr mit "dem Bürger" oder "dem Antragsteller" oder "dem Kunden", sondern mit einem ganz konkreten Menschen mit Namen und Ansprüchen, ein wenig ist das wie beim causa in contrahendo der Juristen.

Beispiel

Die unpersönliche Textform ist einer der Hauptgründe für das steife und seltsam distanzierte Deutsch der Behörden. Daher lassen Sie uns einen Blick auf einen Behördentext werfen, um ein wenig Ursachenforschung zu betreiben. Der folgende Abschnitt stammt aus dem Vorwort der Informationsbroschüre des Landes NRW zum Kindergeld:

Das Kindergeld wird zur Steuerfreistellung des elterlichen Einkommens in Höhe des Existenzminimums eines Kindes gezahlt. Das Existenzminimum umfasst auch den Bedarf für Betreuung und Erziehung oder Ausbildung des Kindes. Soweit das Kindergeld darüber hinausgeht, dient es der Förderung der Familien. Im laufenden Kalenderjahr wird zunächst das Kindergeld als Steuervergütung gezahlt. Die steuerlichen Freibeträge für Kinder werden beim Abzug der Lohnsteuer grundsätzlich nicht berücksichtigt.

Unpersönlich und distanziert wird dieser Text durch:

  • Passivformen ("wird gezahlt", "werden nicht berücksichtigt")
  • Abstraktion ("eines Kindes", "des Kindes", "für Kinder")
  • Obwohl der Text an einen Ansprechpartner gerichtet ist enthält er keinerlei Ansprache (Sie)
  • Obwohl der Text auch einen Absender hat, enthält er keine Hinweise auf einen Absender oder Verantwortlichen

Ausserdem weist er natürlich auch die übrigen Probleme eines Behördentextes auf, die nicht hierher gehören, wie: exzessiver Gebrauch des Genitivs, Substantivierung, Hypotaxe.

Warum ist das Beispiel, wie es ist?

Das der Text so ist wie er ist liegt an der typischen Situation bei Behörden: Der Autor des Textes ist vermutlich ein normaler Mitarbeiter irgendeiner Unterabteilung und darf natürlich nicht namentlich in Aktion treten, denn das steht ihm nicht zu. Wem stände das zu? Vielleicht dem zuständigen Minister? Aber selbst der ist ja nur der Ausführende eines Gesetzes. So ist das also: Niemand darf die Verantwortung für den Text übernehmen. Das eine Behörde sich nicht traut, dem Bürger ins Gesicht zu sehen und ihn anzusprechen ist da fast schon logisch. Das Resultat sind Texte von niemanden für niemanden, die niemand gerne liest.

Das Üble daran ist, dass diese Art von Texten nicht nur von Behörden kommt, sondern sich auch in der Alltagskommunikation von Unternehmen, Vereinen, Verbänden, Universitäten, Schulen und auch Privatpersonen seuchenartig verbreitet:

Suchbegriff

Treffer (Google)

"ist zu beachten, dass"

1.450.000

"Wird darauf hingewiesen"

939.000

"Der Kunde wird darauf hingewiesen"

39.300

Die Lösung: Persönlich kommunizieren

Ich habe Ihnen hier mal den Behördentext aufgeschrieben, wie ich ihn gerne lesen würde:

Liebe Eltern, wir freuen uns Ihnen unser neues Merkblatt "Kindergeld" präsentieren zu dürfen. Wir möchten Ihnen mit diesem kleinen Merkblatt helfen, ihren Antrag auf Kindergeld schnell und erfolgreich auf den Weg zu bringen. Was ist eigentlich Kindergeld?

Kindergeld zahlen wir um einen Teil Ihres Einkommens, nämlich in Höhe des Existenzminimums Ihres Kindes, von der Steuer freizustellen. Zum Existenzminimum Ihres Kindes gehört auch der Aufwand für die Betreuung und Erziehung oder Ausbildung. Im laufenden Kalenderjahr wird das Kindergeld zunächst als Steuervergütung gezahlt. Die steuerlichen Freibeträge für Ihre Kinder können wir leider beim Abzug der Lohnsteuer grundsätzlich nicht berücksichtigen. Sollten Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich einfach an die umseitig angegebene Stelle, wir helfen Ihnen gerne weiter. Alles Gute für Sie und Ihre Kinder wünscht Ihnen...Caroline Seltigmann (Kundenberaterin Landesfinanzministerium NRW)

Natürlich könnten Sie jetzt sagen, für einen Behördentext gehörten sich Formulierungen wie "zahlen wir" nicht. Es ist jedenfalls unüblich, das stimmt.

Für Texte von nicht-Behörden gilt aber nicht mal diese Ausrede.

Warum klingt der Text jetzt gleich viel freundlicher?

  • Es gibt einen Adressaten: „Liebe Eltern"
  • Es gibt einen grammatikalischen Absender: "wir"
  • Konkret: „Ihr Kind" anstelle von „Das Kind"
  • Keine Passivkonstruktionen
 
KontaktImpressumJobs


11 Mai 08

Der taiwanesische Konzern BenQ

Interkulturelle Kompetenz, oder: Anglizismus mal anders.


18 September 07

Trainertypologie

Verschiedene Arten der Personalentwicklung. Mit einer Prise Salz zu geniessen!


25 Februar 07

PotemkiPoint

Zahlenspiele mit PowerPoint


14 Februar 07

Unternehmer im Unternehmen.

Oder: Zu welchem Typ gehören Ihre Mitarbeiter?


28 Dezember 06

Manchmal kann man gar nicht anders...

als laut aufzustöhnen. Ein Schrottargument.


zum Archiv ->
.